Sonntag, 29. Januar 2012

Die Lehrer

Lehrerinnen und Lehrer sind Heilpraktiker mit meist sehr frequentierten Praxen. Eine gutdurchdachte Organisation sorgt dafür, dass sie ihre hauptberuflichen Verpflichtungen erfüllen können, aber an den Unterrichtstagen der Schule voll und ganz zur Verfügung stehen. Sie haben alle die schwierige Aufgabe zu erfüllen, riesige Stoffgebiete aufs Wesentliche zu komprimieren, ohne dabei Wichtiges durch übertriebene Vereinfachung zu vernachlässigen. Sämtliche Gebiete der Medizin sind ernüchternd trocken und verlangen eine enorme Gedächtnisleistung. Wer noch keine Voraussetzungen mitbringt, muss viel Geduld und Fleiß aufbringen, sich aberhunderte von anatomischen, physiologischen, chemischen und physikalischen Begriffen einzuprägen. Aber gerade die manuellen Therapien der Heilpraktiker, Chiropraktik, Akupunktur, Neuraltherapie und jede Form von Reflexzonenbehandlung setzen gründliche Kenntnisse der Anatomie voraus, da der Behandler sonst mit ihrer oft punktgenauen Topografie nicht zurecht kommt. Ebenso ist es mit der Krankheitskunde. Wer später die Pathologie verstehen will, muss erst die Physiologie der Normalität kennen. Auch wird der Anwärter nur dann seine Naturheilkunde schätzen lernen, wenn er auch das mechanistisch-materialistische Weltbild der Schulmedizin kennt. Eine weitere Aufgabe des Lehrers besteht darin, die speziellen Begabungen der Schüler zu erkennen und zu fördern. Es ist zwar wichtig, im Unterricht das ganze Spektrum der naturheilkundlichen Diagnose- und Therapieformen den Klassen nahezubringen, dennoch wird es in der Praxis dann so aussehen, dass sich je nach Begabung und Neigung Spezialisierungen herausbilden. Das kann ein Vorteil, aber auch ein Nachteil sein. Der Patient ist heute sehr werbungsabhängig. Er hat z.B. in einer der vielen medizinischen TV-Sendungen von der heilsamen Wirkung der Blutegelbehandlung gehört. Nun gibt es für ihn für seine sämtlichen Beschwerden von Vertigo bis Migräne nur mehr eine einzige Wunderwaffe, den Blutegel. Er telefoniert in der ganzen Stadt herum, bis er einen Heilpraktiker findet, der auf diese Methode spezialisiert ist. Den betreffenden Behandler überfordert natürlich dieser Erwartungsdruck, der Patient ist enttäuscht, wenn er von seinem chronischen Ekzem oder seinem Ohrensausen nicht in kürzester Zeit geheilt wird. Er hat für eine gute Heilmethode eben ungeeignete Krankheiten. Unabhängig von dieser Gefahr deprimierender Erfahrungen wird es dennoch so sein, dass viele Schüler schon im zweiten Schuljahr erkennen lassen, ob aus ihnen tüchtige Augendiagnostiker, Homöopathen, Kräuterkundler, Akupunkteure oder Chiropraktiker werden. Anderen merkt man an, dass ihre Begabung im Gespräch mit dem Patienten liegt, in einer angeborenen guten Menschenkenntnis, in der Kraft einer überzeugenden Argumentation. Es besteht dann über die Schulzeit hinaus auch noch die Möglichkeit einer Assistententätigkeit bei einem "alten Hasen". Dieser hat aus einer langen Erfahrung heraus seinen eigenen Stil entwickelt, wie er zur Diagnose, zum Rezept und der Empfehlung einer ergänzenden Behandlung kommt. Diese Intuition lässt sich nicht lehren, was aber der Meister dem Schüler beibringen kann, ist ein System der Untersuchung, ein Hinweis auf Wichtiges und Nebensächliches in der Krankengeschichte, eine Beurteilung der therapeutischen Möglichkeiten. Naturheilkunde ist Erfahrungswissen. Sie kann nur dann zum Nutzen der Kranken lebensfähig bleiben, wenn sie selbstlos, neidlos und ohne Geheimniskrämerei von Generation zu Generation weitergereicht wird.

Die Ausbildung

Die Fachschulen sind das Herzstück des Heilpraktikerberufes. Ihre Qualität ist der Garant für die Rechtfertigung und das Fortbestehen eines Berufsstandes, der eine ärztliche Tätigkeit ohne Medizinstudium und ohne ärztliche Bestallung ausübt. Nach Möglichkeit unterhält jeder Landesverband eine Berufsfachschule für Naturheilweisen mit zwei- bis dreijähriger Studiendauer. Das Ziel ist vorgegeben: Der Schüler sollte nach dieser Ausbildung in der Lage sein, eine eigene Praxis zu eröffnen und vom ersten Tag ab Patienten zu behandeln. Vorher hat er jedoch noch eine unter Umständen sehr schwere Hürde zu überwinden, die amtsärztliche Überprüfung. Die Schule muss daher dem Anwärter ein gutfundiertes Wissen der Schulmedizin und eine gründliche Kenntnis der Gesetze, Pflichten und Einschränkungen seines künftigen Berufes vermitteln, bevor er zum wichtigsten Teil seiner Ausbildung, den naturheilkundlichen Disziplinen, kommt. - Mir persönlich ist die Münchner Schule, die jetzige Josef-Angererschule, bekannt, an der ich meine Ausbildung absolvierte. Sie gilt vermutlich, mit regionalen Unterschieden, als Beispiel für ganz Deutschland. Unsere Klasse bestand damals aus einer Reihe Angehöriger medizinischer Hilfsberufe, Physiotherapeuten, MTA, Masseuren, dann auch Medizinstudenten, die auf die Naturheilkunde umsattelten, Söhne und Töchter von Heilpraktikern, Reformhausinhaber, aber auch völlig Berufsfremde. Man bleibt drei Jahre lang in dieser Klassengemeinschaft, das fördert sehr bald schon persönlichen Kontakt, gemeinsames Lernen und Erarbeiten von manuellen Techniken. Medizinstudenten, Krankenschwestern, Physiotherapeuten, Masseure, Anhänger einer gesunden Ernährung und Schüler aus Heilpraktikerfamilien ergänzen sich gut und können sich gegenseitig helfen. Studenten und Heilberufe haben in den anatomisch-physiologischen Fächern einen Vorsprung, Physiotherapeuten und Masseure bringen darüber hinaus Kenntnisse der manuellen Techniken mit, die ihnen das Erlernen der heilpraktikerspezifischen Methoden erleichtern, Söhne und Töchter von Heilpraktikern besitzen meist schon fundierte Kenntnisse der Augendiagnose, der Heilpflanzenkunde und der Homöopathie. - Die Berufsfachschule hat die große Aufgabe zu bewältigen, den staatlichen Bestimmungen zu genügen, indem sie den Schülern die naturwissenschaftlichen Erkenntnisse der Schulmedizin vermittelt. Die weitaus größere Aufgabe ist aber, ihnen die geistigen Grundlagen und die praktischen Fähigkeiten ihres künftigen Berufes zu lehren. Dies geschieht in einem sehr klaren, übersichtlichen Aufbau des Lehrplanes. Das erste Jahr gehört der medizinischen Wissenschaft, bringt aber schon eine Einführung in die Lehre und Methodik der traditionellen Naturheilkunde. Im zweiten Jahr erlernt der Schüler das Handwerk seines künftigen Berufes, die Diagnosemöglichkeiten, manuellen Behandlungsformen und das wichtige Kapitel der Ausleitungsverfahren. Das dritte Jahr widmet sich bevorzugt der Heilmittelkunde. Hier wird auch schon praktisch am Patienten gearbeitet. Die Fachschule unterhält ein Ambulatorium, in dem unter Anleitung von Lehrern Kranke klinisch und irisdiagnostisch untersucht und therapeutisch beraten werden. - Ein wichtiger Aspekt des Unterrichts ist die Vorbereitung auf die Amtsarztprüfung, bei der neben Anatomie, Physiologie und allgemeiner Pathologie vor allem gründliche Kenntnisse aller Infektionskrankheiten, der Hygienevorschriften und der Gesetzeskunde vorausgesetzt werden. Ihren aktuellen Wissensstand müssen die Schüler durch regelmäßige Klausuren und mündliche Prüfungen beweisen. - Ein Heilpraktiker ist lebenslang ein Lernender. Für die Schwerpunkte, die er diagnostisch und therapeutisch in seiner Praxis setzt, gibt es Arbeitskreise, die sich regelmäßig zum Erfahrungsaustausch und zur Weiterbildung treffen. Außerdem gehört jedes Mitglied des Fachverbandes einem Bezirk mit Sitz in der nächstgelegenen größeren Stadt an, der regelmäßige Wochenendkurse veranstaltet. Wer seine knappe Freizeit lieber zu Hause im Kreis der Familie zur Regeneration von den Strapazen der Woche verbringt, dem bleiben als Alternativen die hervorragende Zeitschrift "Naturheilpraxis" und eine Fülle von Fachbüchern. Einzelhomöopathen, Komplexhomöopathen, Phytotherapeuten und Spagyriker sollten sich tunlichst der eisernen Disziplin unterziehen, täglich die Arzneimittelbilder, bzw. die Zusammensetzung der Komplexmittel oder Spagyrika zu memorieren und sich über Neuentwicklungen auf dem laufenden zu halten. Auch sollte der Heilpraktiker seine Patienten, nachdem sie seine Praxisräume verlassen haben, in Gedanken weiterbegleiten, um für ihre Beschwerden aus vielen passenden Möglichkeiten ein optimales Rezept zu finden.

Nebenwirkungen eines Schlafmittels

Die neueste Generation der chemischen Schlafmittel ist anscheinend Zolpidem, dem in kurzen Abständen Zopiclon folgt. Beide Substanzen sind in etwa 20 Präparaten mit unterschiedlichsten Namen enthalten. Das große Angebot lässt darauf schließen, dass das Mittel millionenfach und nicht nur zu der von den Herstellern angeratenen Indikation "Kurzzeitmittel bei Schlafstörungen" verordnet und verwendet wird. Beide Mittel setzen in Gehirnzentren an, die für den Schlaf-Wach-Rhythmus verantwortlich sind. Dafür müssen sie fettlöslich sein, um die fetthaltige Gehirnschranke zu überwinden. Sie wirken schlaffördernd durch hemmenden Einfluss auf die Gehirnfunktion, indem sie die Kommunikation zwischen den Nervenzellen reduzieren und die Übertragung elektrischer Impulse blockieren. Die dadurch erreichte Drosselung der Gehirntätigkeit erleichtert das Einschlafen, außerdem dämpft sie Angstzustände und erzeugt eine euphorische Stimmung. - Die Wirkung eines synthetischen gehirnwirksamen Medikamentes ist mit dem Betreten eines Raumes vergleichbar, dessen Wände mit sehr vielen Schalttafeln bedeckt sind. Ein Monteur, der über das System der Anlage nicht informiert ist, hat den Auftrag, das Licht auszuknipsen. Er versucht eine Vielzahl von Schaltern, bis er den richtigen gefunden hat, er lässt aber die anderen Schalter gedrückt. Doch auch sie haben einen Zweck, sie lösen einen für den Monteur unsichtbaren Effekt aus. Ähnlich verhält es sich mit dem synthetischen Medikament, es verhilft schnell zum erwünschten Erfolg, doch es schießt über das Ziel hinaus, es schafft eine Menge Verknüpfungen mit benachbarten Zentren, die sinnlos und schädlich sind. So lässt es sich erklären, dass schon die sieben Nebenwirkungen dieser beiden Substanzen, die Nervensystem und Psyche betreffen, derart schwerwiegende Körperstörungen und Persönlichkeitsveränderungen wie Ataxie, Verwirrtheit, Schwindel und Amnesie hervorrufen können. Auch die sonstigen Risiken sind nicht von Pappe, wenn sie auch nur sehr verschwommen als Magen-Darm- oder Sehstörungen angegeben werden. Schlafmittel mit dem Wirkstoff Zoleplon beeinflussen darüber hinaus auch noch Gehör, Geruch, Geschmack, das Immunsystem und bei Frauen häufig den Urogenitaltrakt. Die Kopfschmerzen bei Therapiebeginn und die Tagesmüdigkeit nehmen sich dagegen noch unerheblich aus. Doch die Entzugserscheinungen sollten zu denken geben: außergewöhnliche Angst, Verwirrtheit, Reizbarkeit, Realitätsverlust, Persönlichkeitsstörungen, Überempfindlichkeit gegen Licht, Geräusche und körperlichen Kontakt, Taubheitsgefühl in den Extremitäten, Halluzinationen oder epileptische Anfälle.

Nebenwirkungen der Antibiotika

Die Entdeckung des Penicillins 1941 war die größte medizinische Revolution des 20.Jahrhunderts. Mit den Antibiotika (A) hat die Wissenschaft sogar Medikamente biologischer Herkunft in der Hand. Absonderungen bestimmter Schimmelpilze besitzen die Eigenschaft, Bakterien in ihrem Wachstum zu hemmen oder sogar zu töten. Da ein sehr großer Teil aller Krankheiten bakteriell verursacht ist, besitzt die Medizin in den A. eine wirksame Waffe im Kampf gegen eine Vielzahl von Krankheiten, die vor dieser Ära lebensbedrohlich waren. Die Forschung hat fieberhaft und mit Erfolg daran gearbeitet, gegen jede einzelne Infektionskrankheit eine geeignete Waffe zu finden. Der Vergleich mit einer Waffe ist nicht falsch. Es handelt sich beim Einsatz der A. um eine kriegerische Methode. Die Abwehrkraft des menschlichen Körpers und das Medikament arbeiten Hand in Hand gegen einen rücksichtslosen Feind. Das A. schwächt die Bazillen und hindert sie an der Vermehrung, dadurch haben die Leukozyten des menschlichen Blutes leichtes Spiel, sie zu überwältigen. Wenn der menschliche Organismus bei massivem Bakterienbefall schon zu sehr geschwächt ist, übernehmen die A. die ganze Arbeit und töten die Bakterien völlig ab. Doch diese Perfektion hat auch ihre Schattenseiten. Wirkt das A. zu kurz oder in zu schwacher Form, erholen sich die angeschlagenen Bakterien wieder, haben nun eine Resistenz gegen ihre Feinde entwickelt und wüten schlimmer als zuvor. Der Arzt muss auch zuverlässig diagnostizieren, dass der Infekt von Bakterien ausgelöst wird, denn gegen Viren sind die A. bis auf einen kleinen Teil der allerneuesten Entwicklungen wirkungslos. Er muss auch das passende A. wählen, ein ähnliches, verwandtes ist ebenfalls wirkungslos oder in der Wirkung unzulänglich. - Wo kann eine naturheilkundliche Kritik an den Antibiotika ansetzen? Sie werden oft unnötig und ohne Rücksicht auf die Konstitution des Patienten eingesetzt. Auch bei banalen Erkältungskrankheiten, vor allem bei Kindern, setzt sie der Arzt häufig und ohne Erwägung wirksamer aber unschädlicher Alternativmittel der biologischen Medizin ein. Bei chronischen entzündlichen Erkrankungen werden sie über einen allzu langen Zeitraum angewandt. Der Krankenhauspatient ist völlig wehrlos oft massiven A.-Dosen ausgesetzt, ohne dass man ihn ausreichend über mögliche Nebenwirkungen informiert. - Antibiotikaeinsatz ist ein Rundumschlag, ein Flächenbrand. Die Schimmelpilze greifen nicht nur krankmachende Bazillen an, sondern vernichten auch eine Vielzahl von Bakterien, die der Körper zum Gesundsein braucht, z.B. die Darmbakterien, die für die Verdauung und für die Bildung einer Reihe von Vitaminen unbedingt notwendig sind. Mit der Vernichtung allein ist es aber nicht getan. Wo diese körperfreundlichen und nützlichen Bakterien verdrängt werden, dringen sofort ungeschützt gefährliche Schädlinge, Fäulniserreger und Pilze ein. Es wird also nicht nur ein wohlausgewogenes Gleichgewicht gestört, sondern es werden auch für einen langen Zeitraum Schäden gesetzt. - Noch schwerwiegender ist aber ein anderes Problem, die zunehmende Resistenz der Bakterienstämme und ihre Mutationen. Die aktuell erforderlichen A. müssen sich der zunehmenden Aggressivität der Erreger anpassen. Was gestern noch einen durchschlagenden Erfolg zeitigte, ist heute eine läppische Streicheleinheit. Die Bakterien entwickeln immer raffiniertere Techniken, um zu überleben. Sie maskieren, verschwistern, verniedlichen sich, wachsen sich zu grässlichen Monstern aus und erneuern ständig ihr Waffenarsenal. Wir haben heute schon eine Flut unerklärlicher Krankheiten, eine Woge schwerheilbarer Morbidität rollt auf uns zu. Das lässt sich ganz nüchtern vom Katalog der Nebenwirkungen ablesen. das relativ harmlose Penicillin produziert etwa 10 ernstzunehmende Nebenwirkungen, die modernen Weiterentwicklungen bringen es auf eine stattliche Ausbeute von etwa 18 Treffern. Bereits bei Penicillin gibt es eine Menge subjektiv unangenehmer Begleiterscheinungen wie Nesselsucht, Übelkeit, Meteorismus, Durchfall, aber auch bedrohliche Formen wie Nephritis, Blutbildveränderungen bis zur hämolytischen Anämie. Begünstigt schon Penicillin die Bildung von Sprosspilzen, so kommen bei der neuen Generation auch noch zentralnervöse Störungen von Schwindel bis Halluzinationen und Hörbeeinträchtigungen wie Tinnitus und Taubheit hinzu. Noch bedrohlicher ist die Gefahr von Leberschädigungen, die sich in einem Anstieg der Transaminasen und des Bilirubins im Blut zeigen. Es leuchtet ein, dass Stoffwechsel- und Abbauprodukte der A. die ohnehin schon überlastete Leber massiv in Mitleidenschaft ziehen.

Samstag, 21. Januar 2012

Nebenwirkungen von Cortison

Die moderne Medizin geht davon aus, dass viele Krankheiten durch Fehlverhalten des Körpers ausgelöst werden, indem äußere Reize überschießende Schutzreaktionen in Gang setzen. An diesen Reizen fehlt es wahrlich nicht, die Atemluft ist durch Auto-und Kaminabgase verseucht, unsere Lebensmittel von Brot bis Wurst und von Marmelade bis Fleisch enthalten Dutzende chemischer Konservierungs- und Farbstoffe, Stabilisatoren und Geschmacksverbesserer. Obst, Salat und Gemüse stammen zum großen Teil aus übersäuerten Böden und schaden mit Resten von Abbauprodukten des Kunstdüngers. Kaffee, Tee, Wein und Bier werden in der Wachstumsphase ihrer Grundstoffe reichlich mit Pestiziden gespritzt, deren Ablagerungen das Endprodukt belasten. Dies alles summiert sich im Lauf der Jahre zu einer ganz stattlichen Menge von Fremdstoffen, die für den Körper unverdaulich sind und sein Gleichgewicht stören. Er wehrt sich gegen diese Vergiftung durch eine Überempfindlichkeit und reagiert auch auf harmlose Substanzen seiner gewohnten Umgebung mit dramatischen Erscheinungen, er niest, erbricht, hustet bis zur Atemnot, scheidet mit ständigen Durchfällen über den Darm aus und kann sogar einen lebensbedrohenden anaphylaktischen Schock produzieren. Die Medizin vermutet, dass auch viele Formen rheumatischer Muskel- und Gelenkentzündungen durch ein allergisches Fehlverhalten des Organismus ausgelöst werden. Hier hilft zuverlässig Cortison, seit die Pharmakologen die entzündungshemmende Wirkung des Hormons der Nebennierenrinde entdeckt haben. Cortison und die Corticoide kommen auch nach Organtransplantationen in sehr großem Umfang zum Einsatz. Normalerweise wehrt sich der Körper vehement gegen das Austauschen kranker Organe durch Herz, Leber und Nieren von Leichen oder gegen Kunststoff- oder Metallgelenke. Diese Abwehr auszuschalten bekommt Cortison in den Griff. Der große Nachteil liegt darin, dass es bei chronischen Erkrankungen wie Rheuma, Asthma, hartnäckigen Allergien und nach Organverpflanzungen jahrelang eingenommen werden muss. Hier kommt es dann zu massiven Nebenerscheinungen. Deren Ursache kann sein, dass die künstliche Zuführung eines Hormons über einen längeren Zeitraum den gesamten Drüsenapparat in Unordnung bringt und dadurch eine wohlausgewogene Harmonie stört. Die Hauptnebenwirkungen Ödeme, Verfettung, Osteoporose und Abwehrschwäche werden vermutlich durch ein Niederknüppeln der jeweiligen Gegenspieler verursacht, die im sinnvollen Hormongeschehen für den Wasserhaushalt, den Stoffwechsel, das Einlagern von Kalzium in den Knochen und für die ausreichende Bereitstellung von Leukozyten bei Infekten verantwortlich sind. Die sonstigen Nebenwirkungen nach der "Roten Liste" sind nicht häufig, aber doch erschreckend: Muskelschwäche, verzögerte Wundheilung, Knochennekrose, Katarakt und Glaukom, Pankreatitis, Diabetes, Kleinwuchs bei Kindern. - Dennoch wird niemand bestreiten, dass es für Cortison bei der heutigen Höchstentwicklung der offiziellen Medizin keine Alternative gibt. Das gilt auch überall dort, wo eine zuverlässig schnelle Wirkung erzielt werden muss, für die Antibiotika, die Schmerz- und Schlafmittel, Hypertonika und Antidepressiva. - Die Patienten des Heilpraktikers nehmen zum großen Teil schon lange Zeit ihre allopathischen Medikamente ein. Es wäre leichtfertig, sogar kriminell, sie ihnen nach der Art des alten Hahnemann rigoros zu verbieten. Der Heilpraktiker muss im Interesse seiner Patienten einen befriedigenden Kompromiss zwischen seiner Weltanschauung und der Schulmedizin finden.

Nebenwirkungen

Die Nebenwirkungen allopathischer Medikamente sind ein großes Tabuthema unserer Gesellschaft. Jede Arznei enthält zwar einen Beipackzettel, dem neben Indikation und Dosierung ein Katalog von Nebenwirkungen beigefügt ist. Um sich aber in diesem Gestrüpp meist lateinischer Krankheitsnamen zurechtzufinden, müsste der Kranke zu jedem Begriff das Lexikon befragen. Unterzieht er sich tatsächlich dieser Mühe, gerät er in Panik und löchert seinen Arzt bei der nächsten Konsultation mit vielen Fragen. Dieser kann sie ihm aber aus Zeitmangel nicht beantworten und beschwichtigt ihn mit Verharmlosungen. Wahrscheinlich sind diejenigen Patienten am unkompliziertesten, die den Beipackzettel ungelesen wegwerfen und ihren primären Krankheiten nicht auch noch die Suggestion möglicher Nebenbeschwerden aufpfropfen. Außerdem gibt ihnen die Erfahrung recht: viele Nebenwirkungen stellen sich erst nach langer Einnahme ein, viele werden nicht als solche erkannt, eher als das Auftreten neuer Beschwerden gedeutet, zudem verträgt der menschliche Körper in seiner Robustheit eine Menge Gift. - In unserer Zeit eröffnen die Fortschritte der Chemie völlig neue Perspektiven, der Mensch wird zum Schöpfer einer künstlichen Welt. Er entfernt sich weitgehend von den herkömmlichen natürlichen Baustoffen, Textilien und Farben. Er ersetzt Metall, Holz und Glas durch Plastik; Wolle, Baumwolle und Seide durch Kunstfasern. Es gelingt ihm sogar, eine Reihe von Nahrungsmitteln im Labor genießbar und magenverträglich zu synthetisieren. Von hier ist nur ein kleiner Schritt zur synthetischen Medizin, der weitestmöglichen Loslösung von Vorgaben der Natur und der Schaffung von Neuem, das wie ein Autotyp oder eine Stanzmaschine den Bedürfnissen der Verbraucher entspricht. Die Erfinder dieser Arzneien sind nicht mehr durch erfahrungsheilkundliche Vorgaben eingeengt. Sie sind Architekten, die ein Haus nach den Wünschen des Auftragsgebers entwerfen, Konstrukteure, die einen Auftrag der Industrie ausführen und einen riesigen Markt bedienen, die Krankheiten der ganzen Welt. Es ist auch eine Geschichte ständigen Fortschritts, immer neue Substanzen entquellen den Labors, es wimmelt von Phosphamiden, Anthralinen, Clonidinen, Estriolen und ihren Derivaten. - Dennoch muss sich die Chemo-Medizin bei allen spektakulären Erfolgen fragen lassen, ob sie tatsächlich Heilung erreicht und nicht nur Symptomunterdrückung. Ob das Totschlagen von Erregern und das Erzwingen einer raschen Beschwerdefreiheit nicht teuer erkauft wird durch Verschleppung in die Chronizität und das Verdrängen des Krankheitsgeschehens auf andere, noch gesunde Organe.

Die Ärzte für Naturheilverfahren

Das Medikament "Contergan" verursachte in den Fünfzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts in Deutschland eine Tragödie apokalyptischen Ausmaßes. Etliche tausend Säuglinge, deren Mütter in der Schwangerschaft dieses chemische Beruhigungs- und Anti-Übelkeitsmittel eingenommen hatten, kamen mit grauenhaften Fehlbildungen oder sogar dem Fehlen von Gliedmaßen und Organen auf die Welt. Niemand konnte diese Katastrophe voraussehen. "Contergan" galt damals als besonders verträglich und nebenwirkungsarm. es war die modernste Generation einer langen Reihe chemischer Sedativa, in mehreren Jahren Forschung kritisch und nach wissenschaftlichen Maßstäben gründlich geprüft, im Tier- und Menschenversuch ausreichend erprobt. Es waren allerdings aus humanitären Gründen unter den menschlichen Probanden keine schwangeren Frauen, unter den Versuchstieren keine trächtigen Ratten, das sollte sich später als verhängnisvoll herausstellen. - "Contergan" bewirkte damals in Deutschland ein Umdenken, vor allem in der Bevölkerung. Der logische Schluss lag nahe, dass dieses Fiasko mit Baldrian, Passiflora, Hopfen, Melisse und anderen sedierenden Heilpflanzen nicht vorgekommen wäre. Die zweite Folgerung war, dass möglicherweise alle naturfremden, synthetisch erzeugten Medikamente ein unkalkulierbares Risiko bergen. Auch der Staat reagierte, die Forschung wurde angewiesen, neue Medikamente mit noch ausgeklügelteren und umfangreicheren Tierversuchen und Testreihen an Kliniken abzusichern. Die zweite Novität betraf die Begleitzettel der Medikamente. Hier musste der Patient noch ausführlicher als bisher über alle nur möglichen Nebenwirkungen aufgeklärt werden, um die Möglichkeit zu besitzen, sich für oder gegen das Medikament zu entscheiden. - Der ausdrückliche Wunsch der Bevölkerung nach biologischen Heilmethoden zwang auch die Ärzte zu einem Umdenken. Sie interessierten sich nun für Alternativen und wurden dazu auch von ihren Berufsverbänden animiert. Ärzte tauchten nun immer öfter in den Seminaren der Heilpraktiker für Phytotherapie, Komplexhomöopathie, Augendiagnostik, Akupunktur, Chiropraktik und Reflexzonenbehandlungen auf, bis sich dann später eigene Schnell-Ausbildungsstätten für Ärzte gründen konnten. Heute ist es selbstverständlich, dass Allgemein-und Fachärzte Chiropraktik, Magnetfeldbehandlung, Akupunktur, Neural- und orthomolekulare Therapie sowie petechiale Saugmassage anbieten. Der Knackpunkt ist nur, dass es für Pflichtversicherte diese Therapien auch vom Arzt nicht zum Nulltarif gibt. Es übernehmen zwar außer den Privatkassen einige Ortskranken- und Ersatzkassen wenigstens auf Kulanzbasis einige dieser Heilverfahren, doch die jeweiligen Bewilligungen sind durch viele Einschränkungen begrenzt. Noch schlechter sieht es mit den Verordnungen von Biomedizin aus. Muss der Patient schon freiverkäufliche allopathische Medizin aus eigener Tasche berappen, dann erst recht, wenn ihm sein Naturheilarzt eine pflanzliche Spezialität, ein Schüsslersalz oder gar ein Homöopathikum empfiehlt. Die entscheidende Frage ist aber, ob der Arzt, dem auf der Universität ein materialistisches Weltbild vermittelt wurde, auf die völlig konträre Betrachtungsweise der Naturheilkunde umschalten kann, ob er gewillt ist, Darwin, Freud, Virchow durch Paracelsus, Hahnemann und Hildegard von Bingen zu ersetzen.